Empirische Ästhetik-Forschung

"Im Internet hat ein Schreiber beklagt, dass man nach der Psychologie und der Soziologie nun auch noch die Ästhetik ins empirische Korsett zwingen würde. Können Sie diese Kritik verstehen?

Die kann ich vollkommen verstehen. Aber man muss tatsächlich die Ästhetikforschung an die Zügel der empirischen Forschung nehmen. Seit 2500 Jahren reflektieren Denker und Philosophen über das Schöne. Weit gekommen sind sie nicht. Niemand hat bislang mit wissenschaftlichen Methoden nachweisen können, warum Menschen bestimmte Dinge schön finden.
Das geplante Institut soll die Standards empirischer Forschung anwenden. Können Sie das erläutern?

Empirische Forscher sitzen nicht am runden Tisch und spekulieren über Dinge, sie untersuchen sie. Sie untersuchen, was eine Änderung des Taktes in einem Musikstück mit dem Gänsehaut-Effekt zu tun hat. Sie untersuchen, welche Bilder bestimmte Menschen beeindrucken und welche sie kaltlassen. Dafür gibt es methodische Standards. Fragebogen müssen den Kriterien der empirischen Wissenschaft genügen. Befragt man Personen, muss man angeben, um welche es sich handelt und ob die Erhebung repräsentativ ist.

http://www.bild-der-wissenschaft.de/bdw/bdwlive/heftarchiv/index2.php?object_id=33251161